Viele Moore in der Schweiz wurden in den vergangenen 200 Jahren mit Drainageröhren oder Gräben entwässert, um sie für die Land- sowie Forstwirtschaft nutzbar zu machen. Als Folge verloren seltene Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum. Im Rahmen des Massnahmenplans Biodiversität will der Kanton Thurgau mehrere dieser Gebiete wiedervernässen. Eines davon ist der Gampen bei Graltshausen. Hier zeigt sich, wie wertvoll Feuchtgebiete sind – besonders in Phasen extremer Trockenheit.
Boden speichert Feuchtigkeit
Es ist heiss, es ist trocken und das schon seit Wochen. Die Folge: Im Kanton Thurgau besteht noch immer grosse Waldbrandgefahr. Während vielerorts die Blätter der Bäume bereits gelb verfärbt sind, ist im Gampen nichts von derlei Stresssymptomen zu sehen. Im Gegenteil, trotz extremer Trockenheit ist der Boden hier feucht. Der Grund: Beim Gebiet, das auf Berger Gemeindegebiet an der Grenze zu Oberhofen liegt, handelt es sich um ein ehemaliges Feuchtgebiet, das seit 2022 durch den Kanton wiedervernässt wird.
«Ende des 19. Jahrhunderts war der Boden hier zu nass, um Holz zu produzieren», sagt Ruedi Lengweiler, Förster Waldbiodiversität des Thurgauer Forstamtes. «Es folgte eine planmässige Bodenverbesserung, sprich: Das Gebiet Gampen wurde entwässert und aufgeforstet.» Übrig blieb am Ende ein kleines Feuchtgebiet, das regelmässig austrocknete. «Damit hatte es eine seiner wichtigsten Funktionen verloren», sagt Tobias Schmid, Teamleiter in der Abteilung Natur und Landschaft, «denn bei Starkniederschlägen dienen Feuchtgebiete als Schwämme, die das Wasser aufnehmen.» Dadurch sinke nicht nur die Gefahr für ein Hochwasser, das Wasser werde danach auch gleichmässiger wieder an die Umgebung abgegeben. «Das ist in extremen Trockenperioden, wie wir aktuell eine haben, besonders wertvoll.»
Tierisch gute Hilfe im zweiten Jahr
2022, über 100 Jahre nach der Trockenlegung, entschied der Kanton, dem Gampen das Wasser zurückzugeben. Möglich war das auch dank der Grundeigentümer und Bewirtschafter der betroffenen Parzellen, mit denen Lösungen gefunden wurden. In einem ersten Schritt wurde der Kernteil des Gebiets mit zwei Absperrschiebern eingestaut. «Ein Jahr später erhielten wir tierische Unterstützung», sagt Lengweiler. Der Biber sei eingezogen und habe den Wasserstand nochmals um rund 30 Zentimeter angehoben. «Seither ist das Feuchtgebiet von 3,6 auf 8,4 Hektare angewachsen und nie mehr ganz ausgetrocknet.»
Der Biber ist nicht der einzige Bewohner im Gampen. Dank der Wiedervernässung sind zwei sehr seltene Libellen im Gebiet aufgetaucht: Beide wurden im Thurgau erst ein- respektive zweimal gesichtet. Und auch der Laubfrosch ist zurückgekehrt. «Das zeigt, dass die Massnahmen der Biodiversitätsstrategie Wirkung entfalten», freut sich Matthias Künzler, Leiter der Abteilung Natur und Landschaft.


