Die Mitglieder des Thurgauer Gegenkomitees essen gemeinsam den symbolisch «letzten Wurst-Käse-Salat» auf dem Marktplatz in Weinfelden. Peter Hinder, Daniel Vetterli, Diana Gutjahr, Christian Lohr, Manuel Strupler und Michèle Strähl.

Sie kämpfen gemeinsam für Wurst, Käse und Co.

Am 27. September entscheidet das Schweizer Stimmvolk über die Ernährungsinitiative. Die Gegner im Thurgau haben auf dem Marktplatz in Weinfelden für ein NEIN an der Urne geworben. Sie wehren sich gegen eine Bevormundung bei den Essgewohnheiten.
Mario Testa

Cervelat, Fondue und Spiegelei. Gross prangen diese drei tierischen Speisen auf den Plakaten, welche das Thurgauer Gegenkomitee zur Ernährungsinitiative auf dem Weinfelder Marktplatz aufgestellt hat. «NEIN zum Vegan-Zwang» steht auf den Plakaten. «Das ist sicher etwas überspitzt, aber wir wollen ja auch, dass sich die Bevölkerung mit dieser Initiative befasst», sagt Peter Hinder, Geschäftsführer des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft. «So vielversprechend die Initiative nämlich klingt, so gefährlich ist sie.»

 

Vertreter aus der Landwirtschaft und Politiker von Rechts bis Mitte sind zugegen, um auf die negativen Folgen der Initiative aufmerksam zu machen. Diese will im Grundsatz, dass die Schweiz ihren Selbstversorgungsgrad dank mehr pflanzlicher Nahrung deutlich erhöht und dank weniger Nutztiere auch Böden, Luft und Wasser geschont werden. «Die Ziele der Initiative sind unrealistisch, schwächen unsere Landwirtschaft und die Lebensmittelverarbeiter. Sie fördern den Einkaufs- tourismus und bevormunden die Bürgerinnen und Bürger», sagt Manuel Strupler, der Weinfelder Unternehmer, Bauer und Nationalrat der SVP. «Bei solchen Forderungen stehen mir die Haare zu Berge. Eigenverantwortung ist wichtig, es braucht keinen Zwang.» Dass keine nationale Partei die Initiative unterstütze, verdeutliche auch, wie utopisch die Initiative sei.

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Ganze Wirtschaftskette betroffen

Struplers Parteikollegin, Nationalrätin und Thurgauer Gewerbeverbandspräsidentin Diana Gutjahr, betont auch, dass von der Initiative nicht nur die Landwirtschaft betroffen wäre. «Wir sprechen über eine ganze Wertschöpfungskette mit zahlreichen KMU. Die Initiative verspricht mehr Sicherheit, bring aber mehr Bürokratie, höhere Kosten und staatliche Eingriffe.»

 

Im Namen der Thurgauer Milchproduzenten verdeutlicht Verbandspräsident Daniel Vetterli, dass die Initiative nicht aufgeht. «Zwei Drittel der landwirtschaftlichen Flächen in der Schweiz sind gar nicht anders nutzbar als für Grasland. Und auch in Talgebieten wie dem Thurgau macht ein Anteil Natur- und Kunstwiesen absolut Sinn zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit», sagt er. Man solle pflanzliche und tierische Ernährung auch nicht gegeneinander ausspielen sondern in Einklang bringen. «Erst dann ist es nachhaltig.» Mitte-Nationalrat Christian Lohr findet ungewohnt deutliche Worte gegen die Ernährungsinitiative. «Was mich richtig aufregt: es wird wieder mal mit neuen Auflagen der Bevölkerung der Alltag erschwert. Die Initiative ist ein ideologischer Irrläufer», sagt er. Die angestrebten Ziele seien weder realistisch noch umsetzbar und förderten noch dazu den Einkaufstourismus.

 

«Der Staat soll uns nicht vorschreiben, was wir essen. Ich wehre mich gegen diese Bevormundung», sagt die Weinfelder FDP-Kantonsrätin Michèle Strähl. «Die Initiative würde dazu führen, dass man entweder auf tierische Produkte verzichten muss oder diese importiert. Und das soll nachhaltiger sein? Nein.»

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