Stadtpräsident Simon Wolfer im Gang zu seinem Büro im Stadthaus Weinfelden.

«Am Ende des Tages entsteht etwas Gutes»

Seit drei Jahren ist Simon Wolfer Stadtpräsident von Weinfelden. Im Herbst stellt er sich zur Wiederwahl und will Weinfelden weiterentwickeln. Auch eine Kandidatur für den Ständerat fände er reizvoll, wenn auch nicht schon jetzt.
Mario Testa

Ist die Arbeit als Stadtpräsient so, wie Sie sie sich vorgestellt haben?

Im Grossen und Ganzen ist sie das, ja. Die politischen Themen, die anstehen, waren mir bekannt und auch die Aufgaben der Stadt und die Rolle des Stadtpräsidenten. 

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Was ist anders als erwartet?

Ich habe anfangs erwartet, dass es mehr Themen gibt, die ich selbst erarbeite. Meine Hauptaufgabe ist die Führung des Stadtrats und der Verwaltung, das Koordinieren, Entscheiden und Repräsentieren. Die einzelnen Geschäfte werden meist durch andere aufbereitet.

Entscheiden Sie gerne?

Ja, und es fällt mir meist nicht schwer.

Sind Sie zufrieden mit der neu aufgestellten Kommunikation der Stadt?

Ja, sehr. Der Stadtschreiber, der Leiter Kommunikation und ich haben miteinander den Bereich Kommunikation neu entwickelt. Wir haben Prozesse aufgebaut und kamen in kurzer Zeit an einen sehr guten Punkt. Mit Basil Höneisen, unserem Leiter Kommunikation, haben wir nun in verschiedenen Punkten der städtischen Kommunikation eine professionelle Betreuung.

Was erachten Sie in Ihrer Arbeit sonst noch als besonders gelungen?

Auf meinen Einstieg blicke ich zufrieden zurück. Mein Vorgänger Max Vögeli war nach einer Amtsdauer von 22 Jahren mit Abstand am längsten im Stadtrat und einer der Amtsältesten in der Verwaltung. In dieser speziellen Situation, in welcher der «Chef» plötzlich der Dienstjüngste war, habe ich mich rasch zurechtgefunden. Es gab kaum Reibungen.

Wie gut gelingt es Ihnen, Weinfelden zu gestalten?

Im Bereich meiner Kompetenzen, jener der Verwaltung, des Stadtrats und des Parlaments gelingt es gut. Da sind wir an vielem dran und kommen voran, zum Beispiel in der Weiterentwicklung des Stadtzentrums. Schwieriger erweisen sich grosse Würfe, die mit dem Bevölkerungswachstum zusammenhängen. Weinfelden weist heute eine hohe Lebensqualität auf, viele Leute sind mit dem Bestehenden zufrieden.

Trotz Auftrag aus der Volksinitiative hat es der Stadtrat nicht geschafft, rechzeitig einen Vorschlag für die Nutzung des Bankstrassen-Areals vorzulegen. Eine Zwischennutzung ist ein schwaches Ergebnis, oder?

Das mag nach aussen so wirken, aber für den Stadtrat ist das die einzig richtige und pragmatische Lösung zum aktuellen Zeitpunkt. Ein Bauprojekt in der Grössenordnung von 13 Millionen Franken muss sehr gut begründet und ausgereift sein, damit es beim Stimmvolk eine Chance hat. In Kürze nimmt eine Arbeitsgruppe die längerfristige Planung auf.

Länger als von den Bauherren gewünscht dürfte die Entwicklung des Feldhof-Areals dauern. Haben Sie den Widerstand kommen sehen?

Es ist unausweichlich, dass es bei einem solchen Riesenprojekt ein langer Weg ist, bis etwas entsteht. Als Stadt setzen wir uns dafür ein, dass am Ende ein neues Quartier entsteht, das auch die öffentlichen Interessen berücksichtigt. Das Unbehagen des benachbarten Quartiers gegenüber Mehrverkehr kann ich nachvollziehen. Die Vehemenz des Widerstands hat mich allerdings überrascht. Wichtig zu verstehen ist: Es wird lediglich der kleinere westliche Teil des Feldhof-Areals über Quartierstrassen erschlossen und die Erschliessung folgt dem Zonenplan, der 2019 verbindlich festgelegt wurde. Daran hat sich der Gestaltungsplan zu orientieren. Die Erschliessung haben wir extern überprüfen lassen und die neue Verbindung zwischen Flora- und Nelkenstrasse um ein Trottoir ergänzt.

Die vielen Baustellen in der Stadt stören viele Menschen. Wie gehen Sie als Stadtpräsident damit um?

Ich habe grosses Verständnis namentlich für die Fachgeschäfte, die unter dieser Situation leiden. Dass Konsumenten das Zentrum meiden, tut auch mir weh. Ein grosser Brocken ist geschafft und den Rest müssen wir schnellstmöglich durchzuziehen. Wir bemühen uns, die Abläufe noch zu verbessern. Am Ende des Tages entsteht etwas Gutes. Wir werden bald ein Fernwärmenetz haben und gewisse Strassen müssen jahrelang nicht mehr geöffnet werden, weil auch andere Leitungen ersetzt wurden.

Wie nützen Sie jeweils die Zeit in den Sommerferien?

Es sind meist ruhige Wochen. Zwei Wochen habe ich genützt, um aufzuarbeiten, zwei Wochen mache ich mit der Familie Ferien.

Am 27. November finden die Gesamterneuerungswahlen des Stadtrats an. Treten Sie nochmals zur Wahl als Stadtpräsident an?

Ja, ich trete mit guten Gefühlen nochmals an. Nach drei Jahren bin ich gut eingearbeitet, ich kenne die Abläufe und die Leute. Das macht das Arbeiten einfacher und es würde mich freuen, das Begonnene weiterführen zu können.

Die Mitte Thurgau sucht noch Kandidierende für den Ständerat, nachdem Brigitte Häberli nicht mehr zur Wahl antreten will. Wäre das nicht die Gelegenheit für Sie?

Ständerat wäre sicher ein sehr interessantes Amt. Aber im Moment ist es für mich kein Thema. Parteiintern bin ich auch darauf angesprochen worden, aber ich habe mich entschieden, in Weinfelden zu bleiben.

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