«Politisch ist die Begegnungszone schon länger ein Thema, aber vielen sind diese Pläne gar nicht bekannt. Deshalb gehen wir nun mit dem nächsten Schritt an die Öffentlichkeit», sagt der Kommunikationsleiter der Stadt Weinfelden, Basil Höneisen. Der nächste Schritt ist noch keine Begegnungszone an sich, sondern die Präsentation des Wegs, der dorthin führen soll. Im Hintergrund wurde bereits seit mehreren Jahren gearbeitet, Verkehrszählungen wurden gemacht, Ideen abgewogen, erste Skizzen der Zone gezeichnet (siehe Plan).
Das Ziel für den Stadtrat ist klar: «Unser Ziel ist ein Zentrum, wo sich die Leute gerne und sicher bewegen, einkaufen, treffen und wohlfühlen», sagt Stadtrat René Ramseier. «Die Begegnungszone soll dazu beitragen, sie ist kein Selbstzweck.» Dabei sei eines ganz wichtig, ein Nebeneinander aller Verkehrsteilnehmer. «Wir wollen die einzelnen Verkehrsteilnehmer nicht gegeneinander ausspielen. Unser Zentrum soll als wichtiger Verkehrsort weiterhin für alle zugänglich sein. Zudem soll es auch die vielen Funktionen erfüllen für Wohnen, Einkauf, Dienstleistungen und Gastronomie.» Er sei überzeugt, dass von einer Begegnungszone alle profitierten, speziell auch das Gewerbe und die Gastronomie, ohne welche ein lebendiges Zentrum gar nicht möglich sei.
Tempo 20 und Belebung
Der Stadtrat hat nebst Projektleiter Reto Colombo vom Bauamt Weinfelden auch Thomas Müller als Bauherrenunterstützung ins Boot geholt für die Planung der Begegnunszone. Er kennt sich als Ingenieur und ehemaliger Stadtrat von Frauenfeld mit dem Thema bestens aus. «Begegnungszonen sind ein erprobtes Thema im Thurgau. Beispiele sind der Boulevard in Kreuzlingen, das Bahnhofquartier in Romanshorn oder die Altstadt von Frauenfeld», sagt Müller. Sinnvoll seien Begegnungszonen immer dort, wo es viele Leute hat, aber auch Fahrzeuge. Die Regeln in einer Begegnungzone sind einfach:
• Höchstgeschwindigkeit 20 km/h
• Fussverkehr hat Vortritt, darf Fahrzeuge aber nicht unnötig behindern
• Strassen queren ist überall erlaubt
• Autos und Velos sind zugelassen
• Öffentlicher Raum kann gemeinsam genützt werden, beispielsweise für die Gastronomie und Gewerbe
Mit diesem Verkehrsregime unterscheidet sich eine Begegnungszone von den möglichen Alternativen, einer Fussgängerzone oder einer Tempo-30-Zone. Erstere schliesst sämtliche Fahrzeuge aus, bei zweiterer haben Fahrzeuge Vortritt.
«Damit eine Begegnungszone funktioniert, müssen die Strassenräume entsprechend gestaltet werden», sagt Thomas Müller. «Es braucht erkenntbare Eingänge in die Zone, eine Möblierung und Begrünung sowie Strassen und Plätze als öffentlicher Raum.» Erst die Gestaltung macht eine Begegnungszone zu einer Begegnungszone. Sie macht die Verkehrsanordnung sichtbar und unterstützt das langsame Fahren.
Bevölkerung kann mitreden
Bevor die Begegnungszone definitiv installiert wird, soll eine Versuchsphase zeigen, wie sie bei der Bevölkerung ankommt, wo es Schwierigkeiten gibt und wo Anpassungen nötig sind. «Diese Versuchsphase startet etwa in einem Jahr. Bis dahin läuft noch das Vorprojekt und die Erarbeitung der Versuchsphase», sagt Projektleiter Reto Colombo. Die Versuchsphase bietet die Möglichkeit für die Bevölkerung, sich direkt zu äussern und einzubringen. «Wir hoffen, dass viele diese Gelegenheit nützen, damit wir zum Schluss ein ausgereiftes Projekt auflegen können. Wenn alles rund läuft, wird die Begegnungszone 2028 umgesetzt.»


