Markus Schönholzer in der Produktionshalle des Weinfelder Kunststoffwerks Sturo AG, wo er als CO-Geschäftsführer arbeitet.

«Alles ist austariert, das ist schon genial»

Markus Schönholzer steht vor seiner letzten Sitzung als Präsident des Stadtparlaments am 11. Juni. Der Höchste Weinfelder ist zufrieden mit dem Erreichten und der Entwicklung der Stadt.
Mario Testa

Wie hat es sich angefühlt, ein Jahr lang als höchster Weinfelder durch die Stadt zu gehen?

Ich hätte mir eine solche Funktion früher nicht vorstellen können, bin deswegen auch nicht speziell stolz auf mich, viel mehr auf unser System. Ich bin froh und zufrieden darüber, dass in unserem Land die Macht und die Verantwortlichkeiten stets verteilt und für die einzelnen Personen limitiert sind. Alles ist austariert, das ist schon genial!

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Wurden Sie oft angesprochen auf das Amt und ihren inoffiziellen Titel?

Vor allem von Bekannten und Kollegen, und eher aus Spass. Gefreut hat mich das Interesse einzelner Vereine und Organisationen, sowie der Medien. Auch am WEGA-Lauf hat der Speaker verkündet, dass der höchste Weinfelder mitläuft, nachher wusste natürlich die halbe WEGA Bescheid. Das war amüsant.

Markus Schönholzer beim Neujahrsempfang

Wie stark wird die Lokalpolitik in der Bevölkerung wahrgenommen?

Vieles läuft in Weinfelden sehr gut in meinen Augen. Das Parlament steht deshalb weniger im Rampenlicht. Das ist bei anderen Städten, dem Kanton und Bund schon anders. Ich würde mich freuen, wenn das Interesse an der politischen Arbeit bei uns grösser wäre, und auch mehr Publikum die Tribüne während den Sitzungen füllen würde. Etwas mehr Partizipation wäre schön.

Sind Sie zufrieden mit dem Ablauf der von Ihnen geleiteten Sitzungen?

Ja. Ich sehe es als meine wichtigste Aufgabe an. Und wir konnten alle Geschäfte ordnungsgemäss abhandeln, sogar als einmal etwas Ungeplantes passierte.

Welcher Moment während Ihres Präsidialjahres bleibt Ihnen in besonderer Erinnerung?

Genau an meinem 50. Geburtstag durfte ich am Neujahrsapéro der Stadt ein Interview geben. Eigentlich wollte ich diesen Geburtstag nicht an die grosse Glocke hängen – aber ich habe mich dann doch sehr über den Applaus und die Gratulationen des Stadtpräsidenten gefreut.

Wie gross ist der Aufwand für das Stadtparlamentspräsidium?

Die Sitzungen habe ich minutiös vorbereitet für möglichst alle Eventualitäten gefasst zu sein. Der Aufwand ist so sicher gross, dafür ist man weniger nervös während der Sitzungen, das ist mir wichtig. Für repräsentative Anlässe muss man sich bewusst Zeit nehmen. Dort sieht man auch mal wieder über den Tellerrand des Parlaments hinaus, was sehr wertvoll ist. Man bleibt geerdet und kommt ins Gespräch mit der Bevölkerung.

Schönholzer im Präsidialsitz, links neben ihm sein Nachfolger Manuel Sturzenegger

Auf was freuen Sie sich am meisten, wenn Sie im Laufe der kommenden Sitzung wieder an Ihren angestammten Platz im Parlament zurückkehren dürfen?

Dass ich mich während der Sitzung wieder mit meinen Fraktionskollegen austauschen und in die Dabatte einbringen kann.

Wie geht es der Stadt aus Sicht des höchsten Weinfelders?

Weinfelden ist insgesamt gut aufgestellt. Es ist attraktiv zum Leben, Wohnen und Arbeiten. Oft wird Weinfelden vorgeworfen, es sei mutlos, aber der aktuelle Ausbau des Fernwärmenetzes ist eine Investition in die Zukunft, ein grosser Wurf – auch wenn die Baustellen im Moment etwas die Mobilität beeinträchtigen.

Was wünschen Sie sich für Weinfelden?

Für die kommenden Jahre ist ein erhebliches Wachstum prognostiziert. Diesen Chancen, aber auch Herausforderungen müssen wir mit kluger Politik begegnen. Die Verbundenheit der Leute mit ihrer kleinen Stadt, die kurzen Wege und das gute Miteinander müssen erhalten bleiben. Es sind alle gefragt, dazu beizutragen.

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