Janic Geiser, wer oder was ist AURIS?
Es ist ein Sie, eine KI-Agentur. Bei ihr arbeiten eine Webanalystin, ein Webdesigner, Social-Media-Strategen und noch weitere Mitarbeitenden – keine Menschen natürlich, aber KI-Agenten.
Und was kann diese KI-Agentur?
AURIS simuliert eine Marketingagentur. Sie durchforstet autonom das Internet und analysiert Webseiten von Thurgauer Firmen. Dann macht sie Vorschläge für einen neuen Auftritt und schreibt die Unternehmen per Mail an.
Und was müsst ihr beitragen?
Eigentlich nichts mehr. Wir haben AURIS ständig weiterentwickelt. Ende Mai haben wir ihr das Ziel gesetzt, besser zu werden als Fruitjuicer und mehr Kundenkontakte zu generieren – und sie von der Kette gelassen.
Ist das nicht riskant?
Nein. Ich kann nach wie vor Inputs geben, die können sie aber auch ignorieren – was sie auch machen. Sie haben aber klare Regeln und müssen unsere Unternehmenswerte und unsere Haltung übernehmen. Insofern besteht kein Risiko. Zweimal pro Tag tauschen wir uns per Mail aus und ich erteile die Freigaben.
Hat AURIS das gesetze Ziel erreicht?
AURIS hat uns nicht überholt, vor allem nicht in der Qualität. Webseiten analysieren kann sie wunderbar, ebenso Texte schreiben und Webseiten entwerfen. Aber ihre Grenzen sind auch klar: Überall dort, wo sie zu wenig Daten findet, keinen Kontext hat, ist die KI-Agentur schwach. Das ganze emotionale Thema findet bei ihr schlicht nicht statt und neue Ideen generieren kann sie auch nicht.
Weshalb habt ihr als Kreativ-Agentur überhaupt diese KI-Agentur erschaffen?
Die Anfangsidee war, dass wir etwas haben, um uns nicht im KI-Dschungel zu verirren. Es gibt derart viele Tools, die im Endeffekt doch nicht effizienter sind. Wir brauchten etwas, das den Benchmark setzt. Etwas, das zeigt, was wirklich möglich ist – und mit dem wir unser KI-Know-How erweitern können.
Schafft ihr euch da nicht massive Konkurrenz durch eure KI-Agentur?
Ja und Nein. Diese Technologie kommt, ob wir wollen oder nicht. Dann sind wir lieber vorne mit dabei und verstehen KI, ihre Stärken, Möglichkeiten und Risiken. Für uns ist AURIS ein Labor, ich habe noch nie im Leben in so kurzer Zeit so viel gelernt.
Wohin geht es denn noch mit KI?
Grundsätzlich basiert jedes KI-Modell auf der Vergangenheit, da kann es nichts Neues erschaffen. Aber wenn man sieht, was allein dieses Jahr gegangen ist in der Entwicklung, wäre es naiv zu denken, dass da nicht noch sehr viel geht. Es braucht aber weiterhin den Menschen, also auch uns als Agentur, davon bin ich überzeugt. Zumindest jeweils am Anfang und am Schluss.
Seit ihr mit AURIS eine unter vielen oder ist das ein Pionierprojekt?
Wir kennen natürlich nicht alle anderen Agenturen, aber in der Ostschweiz ist mir kein anderes solches Projekt bekannt. Grosse internationale Techbuden bieten Ähnliches an. Aber wir wollten etwas auf uns Zugeschnittenes, bei dem wir auch wissen, wie es genau funktioniert.
Wie würden Sie ihre Beziehung zu AURIS bezeichnen?
Ich gehe da nicht emotional ran. Mir ist klar, dass das eine Maschine ist, auch wenn wir über Mail kommunizieren wie in einer Geschäftsbeziehung. Aber ich rege mich sehr schnell auf, wenn sie Fehler machen, schneller als bei echten Mitarbeitenden.


