Am Donnerstag, 11. Juni, zeigen sich im Rathaussaal Gesichter, die je nach Fraktion auf Ruhe, Vorfreude oder eine gesunde Prise Stress deuten lassen. Markus Schönholzer ist zum Zeitpunkt seiner Begrüssungsrede noch Stadtparlamentspräsident. «Ich habe geschätzt, dass dem Amt des Parlamentspräsidenten in meiner Zeit mehr Sichtbarkeit geschenkt wurde; nicht weil ich gerne im Rampenlicht stehe, sondern weil Politik nahbar und persönlich sein sollte» sagt er. Er reflektiert seine Zeit als höchster Weinfelder und bedankt sich bei seiner Fraktion für den ständigen Rückhalt und bei seinen Kollegen für die konstruktiven Debatten und die spannende Amtszeit.
Neuer höchster Weinfelder
Die Fraktion SVP/EDU schlägt Vize-Präsident Manuel Sturzenegger zur Wahl als neuen Präsidenten vor. Er wird dann auch mit 26 von 27 möglichen Stimmen gewählt und ist somit der neue höchste Weinfelder. «Ich trete in grosse Fussstapfen. Es ist ein weiter Weg vom wilden Jungspund zum Stadtparlamentspräsident», sagt er stolz, nachdem er einen prächtigen Blumenstrauss entgegen nehmen durfte.
Der leidenschaftliche Jäger, Fischer und Hobbykoch übernimmt den Präsidialsitz und scheint direkt in seinem Element zu sein. Kaum hat es sich Sturzenegger in seinem Stuhl Platz genommen, wird erneut gewählt: dieses Mal der neue Vizepräsident und somit auch mit hoher Wahrscheinlichkeit der künftige Präsident. Die Fraktion Mitte/EVP schlägt Michael Wiesli (Die Mitte) vor. Der Holzbauunternehmer geniesse einen guten Ruf und zeichne sich durch seine emphatische Art und respektvolle Umgangsweise aus, sagt Fraktionssprecherin Alexandra Beck. Wiesli tut es seinem Vorgänger gleich und wird mit 26 von 27 Stimmen gewählt. Auch die darauffolgenden Wahlen sind praktisch einstimmig. Iyke Moneke (GP) und Simon Engeli (FDP) werden als neue Stimmzähler gewählt, während Kenny Greber (SP) Melanie Huber(GLP) als Mitglied der Einbürgerungskommission ersetzt.
«Ich trete in grosse Fussstapfen, es ist ein weiter Weg vom wilden Jungspund zum Stadtparlamentspräsident»
Manuel Sturzenegger, Stadtparlamentspräsident.
Grosses Plus mit einigen Vorbehalten
Die Geschäftsprüfungskommission (GPK), präsidiert von Melanie Huber (GLP), ist insgesamt mit der Rechnung 2025 der Stadt zufrieden. Alle Ausgabeposten mit der Ausnahme des Sektors Gesundheit wurden untertroffen, was im Ergebnis zu einem Plus von 1,48 Millionen Franken führt. «Die Steuereinnahmen haben die Erwartungen übertroffen, was von einer gesunden Wirtschaftslage in Weinfelden zeugt», sagt Huber. Es gibt aber einige Vorbehalte. Sie fordert den Stadtrat dazu auf, bei diversen Projekten engere Kommunikation mit der GPK und dem Bauamt anzustreben. Ein Dorn im Auge der GPK ist die Planung der Bauvorhaben im vergangenen Jahr. «Die Planung sehen wir als misglückt, das kriegt Weinfelden nun zu spüren», sagt Huber.
Umstrittene Landgeschäfte
Ein Thema, welches viel zu reden gibt ist ein Landabtausch. Einmal der Verkauf einer Parzelle in der Hinderau für eine Million Franken an die Kasper AG und der gleichzeitige Kauf der heutigen Kasper-Parzelle an der Hermannstrasse 5a für 1,5 Millionen Franken.
Die Parzelle an der Hermannstrasse liegt neben der Musikschule. Geplant ist, die Musikschule auf dem heutigen Kasper-Gelände zu erweitern. Kritik erntet dieses Landgeschäft vor allem aufgrund des extrem tiefen Bodenpreises, den die Kasper AG zahlt. Sie zahlt nur 257 Franken pro Quadratmeter – Stadler Rail blättert für das Nachbargrundstück in einem zweiten Landgeschäft ganze 600 Franken hin.
Rückweisungsantrag wird abgelehnt
Den tiefen Preis versteht insbesondere Marcel Preiss (GLP) nicht. «Ich habe mal KI gefragt, was sie von diesem Preis hält. Keine KI kann mir diesen Preis rechtfertigen», sagt Preiss und stellt einen Rückweisungsantrag um das Geschäft neu anzugehen und einen anderen Bodenpreis auszuhandeln.
Stadtpräsident Simon Wolfer empfiehlt, die Rückweisung abzulehnen, gibt aber zu, dass der Preis keinem Marktpreis entspricht und der Natur der Sache als Tauschhandel entspringt. Das Parlament folgt Wolfers Empfehlung und lehnt den Antrag ab. Beide Landgeschäfte werden daraufhin angenommen. Es ist eine fordernde erste Sitzung für Manuel Sturzenegger.
Verabschiedung von dienstältester Parlamentarierin
Zum Schluss wird die dienstälteste Parlamentarierin Alexandra Beck (Die Mitte) verabschiedet. Sie trat 2013 dem Parlament bei und war 2019-2020 Parlamentspräsidentin. «Ich bedanke mich für die anregenden Debatten und die Dinge, welche ich mit euch erreichen konnte», sagt Beck. Ihren Sitz übernimmt Christian Kasper (Mitte). Er ist Geschäftsführer der Kasper Schreinerei AG.


