«Ich hoffe, sie sind durch die Hallen geschlendert und haben die Welt der Berufsmesse kennen gelernt», sagt Gewerbeverbands-Geschäftsleiter Marc Widler zu Beginn des Berufsbildungsforums in der Aula des BBZ. Über 70 Prozent der Jugendlichem im Thurgau entscheiden sich nach der Sekundarschule für eine Lehre, ein Spitzenwert in der Schweiz, wie Widler sagt. «Die Lehrbetriebe und mit ihnen Sie als Berufsbildungsverantwortliche übernehmen deshalb in unserem Kanton eine besonders wichtige Aufgabe», sagt er, an die 150 Gäste im Saal gerichtet. «Deshalb haben wir das heutige Thema gewählt: Stark durch die Lehre.»
Maximilian Koch führt durch den Nachmittag. Nach einem lockeren Einsteig stellt er den ersten Referenten Manuel Niedermann vor «Wir wollen als ersten Schritt hören, wie es unseren Jugendlichen geht in der Lehre. Dazu hat Niedermann mit seiner Firma WorkMed eine Studie gemacht, für die 50’000 Jugendliche befragt wurden.»
Aufbruch und Unsicherheit
«Wir sind in die Lebenswirklichkeit der Lernenden eingetaucht. Ein Viertel aller Lernenden in der Schweiz hat teilgenommen», sagt Niedermann. Nach den positiven Erkenntnissen – beispielsweise dass es 80 bis 90 Prozent der Jugendlichen gut bis sehr gut geht in der Lehre und sie Sinnhaftigkeit, Berufsstolz und ihr Befinden hoch bewerten – kommen auch negative zur Sprache. Zum Beispiel, dass sechs von zehn Sorgen haben wegen Überforderung mit Schulaufgaben oder weniger Freizeit. Ebenso kommt zu Tage, dass vom Kindesalter bis und mit Lehre schon 61 Prozent aller Jugendlichen mindestens einmal psychische Probleme hatten. «Wir haben also sowohl Aufbruchstimmung als auch Unsicherheit, wenn jemand in die Lehre kommt», resumiert Niedermann. «Das Gute ist, 87 Prozent traut sich zu, mit den Herausforderungen umgehen zu können.» Diese Widerstandsfähigkeit, die sogenannte Resilienz, hat jedoch zwei Seiten. Einerseits zeigt sie die Stärke der Jugend, andererseits aber auch, dass sie vieles einfach verschweigen und in sich hineinfressen.
Der Konsens am Berufsbildungsforum ist deshalb auch unter allen Rednern, Beatrice Neff von der Perspektive Thurgau sowie den beiden Berufsbildnungsverantwortlichen aus der Privatwirtschaft: Ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Lehrenden und ihren Betreuern ist das Allerwichtigste. Dann kann man auch schon bei frühen Anzeichen von Problemen reagieren, und nicht erst, wenn es schon fast zu spät ist. Oder ganz einfach öfter ehrlich und offen die Frage stellen, welche schon den ganzen Nachmittag lang auf dem gelben Bänklein vorne im Saal prangt: «Wie geht’s dir?»


