Mit jährlicher Regelmässigkeit informiert die Stadt, die Zentrumsentwicklung sei «ein zentrales Anliegen der laufenden Legislatur». Ja, ein Zentrum ist zwangläufig zentral. Auch in der Legislatur, welche in ein paar Monaten endet. Pressemitteilungen entbehren konkreter Ausblicke und die Geduld der Einwohner wird weiter strapaziert. Unweigerlich sind eine gute Bedarfsabklärung und vorausschauende Planung notwendig. Doch wann bewegt sich endlich etwas? Die Stadt hat nach eigenen Angaben vier Handlungsfelder für die laufende Legislaturperiode priorisiert. Eines davon ist die Nutzung/Gestaltung des Marktplatzes. Die Bevölkerung wurde letztes Jahr dazu aufgerufen, durch Ideen-Eingaben mitzuwirken.
Alle Jahre wieder
Die Marktplatz-Umfrage ist leider nichts Neues. Schon 2003 hat der damalige Gemeinderat genau den gleichen Aufruf lanciert. Der Marktplatz sieht indes fast immer noch genau gleich aus wie damals. Aufrufe zur Mitwirkung sind also ohne Wirkung geblieben. Das hängt mit der Fragestellung zusammen: Wer nur bezüglich Marktplatz fragt, erhält auch nur Antworten zum Marktplatz. Würde man die Zentrumsentwicklung ganzheitlicher thematisieren, wäre es zwar komplexer, dafür wären längst überfällige Gesamtlösungen angestossen worden.
Das Hauptproblem: Es ist nicht möglich, einen einzigen (kleinen) Platz zum Veranstaltungsort und gleichzeitig zum gewünschten begrünten Aufenthaltsort zu machen. Bislang können Aufenthaltselemente nur temporär oder mobil aufgestellt werden, man braucht ja wieder freien Platz für Märkte, WEGA, Schlaraffia… Doch ist es nicht zielführend, den Marktplatz isoliert vom übrigen Zentrum zu verhandeln. Kluge Köpfe haben über viele Jahre gute Vorstösse an die Stadt gerichtet mit dem Wunsch, das Marktplatz-Thema in eine gesamte Zentrumsgestaltung mitaufzunehmen.
Bei einer Gesamtnutzung des heutigen Marktplatzes wäre genug Platz, einen Teil als Veranstaltungsort zu belassen und einen weiteren Teil zum Aufenthaltsort zu gestalten. Das wiederum könnte den Weg zum autofreien Zentrum ebnen. Eine grosse Tiefgarage ist schliesslich vorhanden, sie wurde erst gerade saniert. Damit Autowege vernünftig um das Zentrum herumführen, Anlieferungen aber möglich bleiben, wäre eine Anpassung des Verkehrskonzeptes notwendig. In diesem zielführenden Gesamtthema scheint eine Mitwirkung seitens Bevölkerung jedoch nicht erwünscht zu sein, danach wird nicht gefragt.
Ausser Spesen nix gewesen?
Kosten für Evaluationen oder den Beizug externer Fachpersonen lohnen sich erst dann, wenn ein Projekt umgesetzt wird. Ohne Projektabschluss geht nicht nur viel Geld verloren, sondern auch ein wesentlicher Teil der jahrelang gesammelten Erkenntnisse – gerade bei Gesamterneuerungswahlen des Stadtrats. Neugewählte müssen sich erst wieder ins Thema einlesen. Gleichzeitig werde ich von Bürgern gefragt, inwiefern die Wiederwahl von Bisherigen sinnvoll ist, wenn während Jahren «nichts passiert». Diese Frage lasse ich offen und gebe sie Ihnen weiter.
Durch Zuwarten erhöhen sich Realisierungspreise, Umfragen verlieren durch Veraltung ihre Aussagekraft. Und im Frühjahr 2027 endet die laufende Amtsperiode derjenigen, die sich den Entwicklungsthemen angenommen haben – schlimmstenfalls ohne zukunftsweisende Ergebnisse. Rhetorische Frage: Wollen wir in 20 Jahren wirklich nochmal eine Marktplatz-Umfrage?
Wenn Sie mir etwas über die Zentrumsentwicklung erzählen können, was nicht online auffindbar ist, schreiben Sie mir gerne an bea@marasco.ch


