In ihrer Kindheit hatte Brigitt Näpflin wenig mit Kunst zutun. Erst später fing sie an, sich für Kunst zu interessieren. «Ich kann mich an zwei Schlüsselmomente errinnern, die mein Interesse weckten. Der erste Schlüsselmoment war ein Ausstellungsbesuch mit Naiver Kunst in der Sekundarschule. Das zweite war, als ich als Jugendliche Bilder im Kunsthaus Zürich von Käthe Kollwitz sah».
Nach verschiedenen beruflichen Stationen war Brigitt Näpflin Dozentin an der Pädagogischen Hochschule im Gestaltungsberreich und arbeitete parallel dazu als Museumspädagogin im Kunstmuseum Thurgau und im Ittinger Museum. Heute ist sie pensioniert und trotzdem weiterhin in den Museen der Kartause Ittingen für Führungen und Workshops im Einsatz. Obwohl Brigitt Näpflin gestalterisch interessiert ist, macht sie selbst keine Kunst. Für Brigitt Näpflin muss Kunst nicht unbedingt schön sein, sondern das Interesse über längere Zeit Bestand haben. «Gute Kunst ist nicht nur ein schönes Bild, sondern eine Auseinandersetzung mit Zeit und Ort». Laut Brigitt Näpflin ist neben dem Sommeratelier, das Wandbild von Richard Tisserand im Eingangsbereich des Rathauses oder das Fresco von Carl Roesch im Thomas Bornhauser Schulhaus einen Besuch wert.
«Die Kunst in Weinfelden ist mager und unsichtbar.»
Birgitt Näpflin, Leiterin Sommeratelier
«Im Gegensatz zu grösseren Städten gibt es in Weinfelden wenig Ausstellungsmöglichkeiten für Kunstschaffende», sagt Brigitt Näpflin, «Weinfelden ist nicht wie Zürich, Basel oder Bern». Dafür ist das Sommeratelier umso wichtiger. Kunstschaffende erhalten hier die Gelegenheit, über die Sommermonate intensiv zu arbeiten und die Ergebnisse dort zu präsentieren. Der Unterschied zu einem Museum ist, dass die Werke nicht einfach von einer Künstlerin oder einem Künstler gebracht und von Kuratorinnen und Kuratoren ausgestellt werden. Stattdessen entstehen die Werke vor Ort. Es ist eben mehr Atelier als Museum.
Das Haus zum Komitee gehört seit dem Jahr 1989 der Stadt Weinfelden. Drei Jahre später fand bereits das erste Sommeratelier statt. Es befindet sich an der Frauenfelderstrasse 16a, etwas zurückversetzt, direkt vor dem schmucken Gebäude des Verwaltungsgerichts.
Träume für die Zukunft
Brigitt Näpflin wünscht sich, dass das Sommeratelier noch lange bestehen bleibt. «Es gehört zu einem der wenigen Orte in Weinfelden, an denen Kunst gezeigt wird». Kunstschaffende, die im Sommer-atelier ausstellen, reisen oft jeden Tag an, um an der Ausstellung zu arbeiten. Brigitt Näpflin träumt davon, dass Kunstschaffende während der Zeit auch in der Remise wohnen können. «Dann würden sie sich den Reiseweg ersparren und könnten sich intensiver auf die künstlerische Arbeit konzentrieren».


