Eine «Eintagsfliege» feiert ihr 30-Jahr-Jubiläum

Das Thurgauer Jugend-Symphonieorchester (TGJSO) feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Beste-hen. Zusammengefunden hatte es sich ursprünglich als einmaliges Projekt zum 125-Jahr-Jubiläum der Thurgauer Kantonalbank.
Monika Wick

«Dass das Thurgauer Jugend-Symphonieorchester nach 30 Jahren immer noch existiert ist für mich wie ein Wunder», sagt Martin Briner. Als er es 1996 in der Funktion als Marketingleiter der Thurgauer Kantonalbank (TKB) initiert hatte, war es lediglich als einmaliges Projektorchester zu den Feierlichkeiten des 125-jährigen Bestehens der Bank gedacht. 200 junge Musikantinnen und Musikanten hätten sich damals auf die Ausschreibung zum Musikwettbewerb der TKB gemeldet und seien zum Vorspiel angetreten, erzählt Martin Briner weiter. «103 qualifizierten sich schliesslich für das Orchester», sagt er.

 

Eine, die am allerersten Lager des TGJSO mit von der Partie war, ist Serena Ferrara. «Damals war ich 15 Jahre alt und wurde von meinem Musiklehrer dazu animiert, teilzunehmen», erklärt sie. Obwohl sie schon an Musiklagern im Oberthurgau teilgenommen hatte, überraschte sie die Intensität und Inbrunst, mit der im TGJSO geprobt wurde. «In den Ausgang durfte ich aufgrund meines Alters aber nicht», erzählt sie lachend. 

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Stabile Teilnehmerzahlen

Die Lagerwoche und das gemeinsame Musizieren hatte bei den Jugendlichen derart grossen Anklang gefunden, dass sie sich dafür eingesetzt haben, dass das Orchester auch nach den Jubiläumsfeierlichkeiten der TKB bestehen bleibt. «1997 haben sie zusammen mit ihrem damaligen Orchesterleiter Hartmut Wendland den Verein Thurgauer Jugend-Symphonieorchester gegründet», sagt Martin Briner. Hartmut Wendland hatte bis im Jahr 2012 die musikalische Hauptleitung des Thurgauer Jugend-Symphonieorchesters inne. Nach drei Jahren mit Roger Ender an der musikalischen Spitze übernahm der Weinfelder Dirigent Benjamin Zwick vor elf Jahren das Zepter.

«Die Arbeit mit jungen Musikerinnen und Musikern ist eine grosse Bereicherung. Das Projekt liegt mir sehr am Herzen, da ich als Jugendlicher selbst in diesem Orchester mitgewirkt habe», sagt der Profimusiker.

Mit der Übernahme der musikalischen Hauptleitung durch Benjamin Zwick im Jahr 2016 und dem Aufbau eines jungen Leitungsteams im Vereinsvorstand entwickelten sich die Anmeldezahlen erfreulich nach oben und haben sich seither auf einem konstant hohen Niveau stabilisiert. «Heute zählt es um die 80 Personen», sagt Benjamin Zwick.

Das Thurgauer Jugendsymphonieorchester bei seinem Auftritt 2025 im Thurgauerhofsaal in Weinfelden.

Im TGJSO musizieren sowohl Streicher als auch Bläser. «Früher war es so, dass Streicher eher eine Musikschule besuchten, während die Bläser in den Vereinen ausgebildet wurden, was dazu führte, dass die Gruppen in den Lagern eher getrennt waren. Heute vermischen sie sich gut, sicher auch, weil wir es heute auch anders vorleben», sagt Benjamin Zwick. Ihm ist wichtig, dass alle, die es möchten, auch Teil des TGJSO sein können. «Da ich die Stücke selbst arrangiere, kann ich das Niveau aller berücksichtigen und sie entsprechend ihren individuellen Möglichkeiten einsetzen», sagt er und fügt an: «Die Freude am Musizieren steht im  Vordergrund.»

«Perlen» aus 30 Jahren

Rund eineinhalb Monate vor der Lagerwoche treffen sich die Jugendlichen zu einer sogenannten «Leseprobe». Im Lager, das direkt vor den Konzerten stattfindet, wird dann eine Woche lang gemeinsam geprobt. «Das sind sehr intensive Tage, an denen die Jugendlichen um die sechs Stunden proben», sagt Benjamin Zwick. Für die beiden Jubiläumskonzerte, welche im Oktober stattfinden, hat Benjamin Zwick ein Programm mit «Perlen der vergangenen 30 Jahre» zusammengestellt.

 

Dass mit dem anstehenden Jubiläumskonzert ein Schlusstrich unter das TGJSO gezogen werden könnte, stellt Benjamin Zwick ausser Frage. «Solange es Leute gibt, die sich für das Orchester engagieren, geht es definitv weiter.»

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