Samuel Giger stellt sich zusammen mit den Vereinsdelegationen, Gästen und dem Siegermuni «Ultimo» auf dem Landi-Platz gegenüber dem Gemeindehaus auf. Dort wird mit Blick auf den Empfang die kurzfristig vorverschobene Gemeinderatssitzung beendet. Es ist Dienstagabend, der 8. September, das halbe Dorf Märstetten ist auf den Beinen.
Als Giger am Kilchberg-Samstag vom 5. September nach etwas mehr als zwei Minuten mit seinem gefürchteten Kurz den Innerschweizer Gegner Marcel Bieri vor 10’000 Zuschauerinnen und Zuschauern ins Sägemehl legte, war für die beiden Kollegen Harald Jöhr und Christoph Kiser klar: «Wir müssen innerhalb von drei Tagen in Märstetten ein würdiges Fest für Sämi auf die Beine stellen und für einen glamourösen Empfang sorgen.» Christoph Kiser sitzt im Gemeinderat und war ebenfalls ein erfolgreicher Schwinger. «Ich hoffte immer, dass es Sämi für einen zweiten Kilchberger-Sieg reicht und bin mächtig stolz, dass er Mitglied unserer Nationalturnerriege ist», sagt er und fügt an: «Ich hoffe auch, dass er im übernächsten Jahr am ESAF 2028 Schwingerkönig wird.» Unterstützt werden Jöhr und Kiser bei den Vorbereitungen und Durchführung des Empfangs für Samuel Giger vom Schwingclub am Ottenberg, dem Kantonalen Schwingerverband, der Männerriege und den turnenden Vereinen von Märstetten.
«Mein Kurz im Schlussgang kam einfach so.»
Kirchberg-Sieger Samuel Giger
Er wirkte geladen und sehr ruhig
Zu den Klängen der Märstetter Treichler, bei denen Samuel Giger früher selbst mitwirkte und wo er heute noch Mitglied ist, setzt sich der Festzug mit halbstündiger Verspätung in Bewegung – Siegermuni Ultimo steckte noch im Stau. Nun ist er da und trottet vorne mit. Über die Dorf- und Bahnhofstrasse gelangt der Festzug zur Weitsicht, wo er von rund 1000 Gästen mit grossem Applaus und dem Spiel der Musikgesellschaft Märstetten begrüsst wird. Zuvorderst sitzen Gigers wohl grössten Fans: Grossmutter Hanni und Grossvater Chrigel Schild. «Ich habe Sämi drei Tage vor dem Kilchberger noch getroffen und festgestellt, dass er geladen und sehr ruhig war», sagt Schild und strahlt über das ganze Gesicht.
Gemeindepräsident Thomas Schärer hebt in seiner Ansprache hervor, dass Giger erst der zweite Schwinger ist, der in Kilchberg zweimal gewinnen konnte. «Ich freue mich auf das Thurgauer Kantonale Schwingfest vom 2. Mai 2027 hier bei uns in Märstetten.»
Samuel Giger gibt Einblick
«Ich kann meinen Sieg jetzt realisieren und mittlerweile hat sich das Ganze gelegt», sagt Samuel Giger im Interview mit Thomas Krähenbühl und Mario Schneider. «Mein Kurz im Schlussgang kam einfach so», lacht er bescheiden und stellt fest: «Es gelang mir am Samstag alle Bereiche abzurufen, die man selbst beeinflussen kann. Ich spürte aber auch die fehlende Wettkampfpraxis», sagt Giger. Er verrät, dass er im Sommer mit viel Reha, der richtigen Ernährung, genügend Schlaf, wöchentlich drei bis vier Trainings und Medienaufgaben verbrachte. Die Sonne ist längst untergegangen, als Andreas und Ernst mit ihren Alphörnern den für das ganze Dorf ereignisreichen Tag ausklingen lassen.


