Hinter der Label-Vergabe steht der «Trägerverein Energiestadt». Sein Katalog listet die Kriterien und möglichen Massnahmen zur Erreichung einer Auszeichnung mit einzelner Punktevergabe auf. Gemeinden, Städte und Energieverbunde, die für eine positivere Umweltbilanz zu Verbesserungen bei Energie, Klima, Verkehr und Umwelt (als Klimaschutz bezeichnet) bereit sind, haben Aussicht darauf, wenn sie nach der Kontrolle die nötigen Punkte erreichen. Schon alleine für den Zugang «zur Bibel der Energiemassnahmen» muss man einen Jahresbeitrag und zusätzlich Prüfgebühren entrichten. Alles gut, solange diese Kosten eine Investition in tatsächliche Verbesserungen für Weinfelden darstellen und zur Erhaltung einer intakten Umwelt für die nächsten Generationen beitragen.
Das eine tun und das andere nicht lassen
Trotzdem ist Vorsicht geboten. Eine Stadt darf nicht nur auf «Punkte-Jagd» gehen. Sie muss den Blick dafür bewahren, was uns hier im Ort gut tut (und nicht nur im Katalog, in der Theorie oder im Schweizerischen Gesamtkontext). Ganz nach dem Motto: «Das eine tun und das andere nicht lassen.» Einzelne Parlamentarier haben dies an der Sitzung vom 17. September aufgegriffen und sich für mehr Hitze-Bewältigungs-Angebote für vulnerable Personengruppen und für ein kommunales Grün- und Freiraumkonzept eingesetzt. Eine Fachkommission Natur- und Landschaftsschutz wäre bereits vorhanden, sie könnte sich (mit entsprechendem Auftrag des Stadtrats) diesen Themen auch annehmen. Gemäss meinen Informationen hat sie jedoch schon drei Jahre keine Sitzung mehr gehabt. Soll unsere schöne Stadt als qualitativ gesunder und lebenswerter Ort erhalten bleiben, muss sie sich der zukünftigen Wetterentwicklung aufgrund von Klimaveränderungen stellen und weitere Massnahmen entwickeln.
Wie eine Klimaanpassung aussehen könnte
Zurück zum neuen Zusatzkapitel des Trägervereins. Hierbei geht es genau nicht mehr nur um «Netto Null» wie bisher, sondern endlich auch um Klimaanpassung: Negativfolgen der klimatischen Veränderungen können wesentlich gemindert werden, beispielsweise durch mehr Begrünung, grössere Biodiversität, bessere Regenwasser-Speicherung und mehr natürliche Beschattung im öffentlichen Raum. Spätestens der diesjährige Sommer hat uns gezeigt, dass Weinfelden seine eigens publizierte Klimastrategie von 2024 noch verbindlicher nehmen und sich nicht auf die «Freiwilligkeit» des Trägervereins abstützen oder auf den bisherigen Lorbeeren ausruhen darf.
Doch will ich es nicht unterlassen, der Stadt auch zu gratulieren! Dass sie schon zum dritten Mal den schweizweit ersten Platz im Bereich «Minergie» erreicht hat, belegt ihren vorbildlichen Einsatz – zumindest in diesem Bereich. Sollte unserer «Energiestadt» irgendwann auch noch der Sprung zu «EnergieSchule» und einer vorbildlichen Klimaanpassung gelingen, könnten wir uns sogar auf beide Schultern klopfen, mit oder ohne Auszeichnung. Ob ich nächstes Jahr als neue Stadträtin dabei mithelfen darf, diesen Entscheid fällen Sie am 29. November bei den Gesamterneuerungswahlen des Stadtrats. Gehen Sie unbedingt abstimmen.
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