Die vielen Baustellen in Weinfelden beschäftigen den Stadtrat. Er ist als Auftraggeber Mitverursacher für die daraus entstehenden Beeinträchtigungen des Strassenverkehrs und muss sich deshalb auch oft als Troubleshooter, Problemlöser und Verteidiger beweisen. Um aufzuzeigen, weshalb es die vielen Baustellen im Strassengebiet überhaupt braucht, weshalb diese so lange dauern, wie sie dauern und welche Vorteile die Bevölkerung und das Gewerbe von Weinfelden aus den Baustellen ziehen können, hat der Stadtrat die Medien Mitte April zur Baustellenbegehung eingeladen; Dorthin, wo sich die Situation momentan am besten zeigt, an die Kreuzung Bankstrasse/Rathaus-strasse, einem zentralen Verkehrsknoten von Weinfelden.
Eine weit verzweigte Grube mit unzähligen Leitungen und Rohren aller Art präsentiert sich dort den Betrachtern hinter den rotweissen Absperrungen. Zwischen den Rohren wuseln Männer in oranger Kleidung umher, verlegen neue Leitungen, Baggern an der Grube weiter, schweissen.
Stadt der kurzen Wege
Vom «Baustellenmonster» sei schon die Rede in der Bevölkerung, sagt Basil Höneisen, der Kommunikationschef der Stadt Weinfelden, mit Blick in die Baugrube. «Aber was heisst eine solche Baustelle für die Verantwortlichen? Das wollen wir heute aufzeigen», sagt er. Man sei sich der grossen Herausforderung bewusst, welche die Baustellen für die Bevölkerung, Verkehrsteilnehmer und die Fachgeschäfte darstellt, sagt Stadtrat René Ramseier.
«Eine solche Massierung von Baustellen ist selten. Wir gehen auch auf die Bedürfnisse aller Beteiligten ein so gut wir können, aber alles geht einfach nicht.»
René Ramseier, Stadtrat Weinfelden
Er betont jedoch, dass sämtliche Geschäfte im Zentrum nach wie vor gut erreichbar sind, zu Fuss und per Velo sowieso und auch mit dem Auto dank der vielen Parkplätze überall im Weinfelder Zentrum die nach wie vor zugänglich sind. «Es sind auch jetzt nur kürzeste Gehdistanzen. Wir bleiben die Stadt der kurzen Wege, auch mit den Baustellen.»
Was genau in den Baustellen läuft, erläutert Reto Colombo, Bereichleiter Tiefbau im Bauamt Weinfelden. «Die Infrastruktur im Boden ist eine Herausforderung. Wir haben Leitungen für Gas, Wasser, Abwasser, Strom, Kommunikation und nun auch für Fernwärme», sagt Reto
Colombo. Die vielen Leitungen schränkten den Handlungsspielraum stark ein. «Wir müssen im Bestand einen guten Weg finden, um zusätzlich die Fernwärmerohre verlegen zu können. Es ist trotz bestehender Pläne auch schwierig zu wissen, was genau wo im Boden ist.»
Viele Schritte bis ins Ziel
Was alles gemacht werden muss, um die Fernwärmeleitungen in den Boden zu bringen, erläutert Matthias Altwegg von den Technischen Betrieben (TBW). «Zuerst wird gegraben und die Grube gesichert. Dann werden die neuen Leitungen gelegt, geschweisst, gedämmt und danach einer Druckprobe unterzogen. Danach werden sie eingebettet, die Grube wird geschlossen und der Asphalt neu eingebaut.» Wenn auch jeder einzelne dieser Schritte nur wenige Tage oder eine Woche dauert, so ergeben sich in der Summe halt doch einige Wochen pro Abschnitt. Deshalb sei Geduld gefragt.
Colombo. Die vielen Leitungen schränkten den Handlungsspielraum stark ein.
«Wir müssen im Bestand einen guten Weg finden, um zusätzlich die Fernwärmerohre verlegen zu können. Es ist trotz bestehender Pläne auch schwierig zu wissen, was genau wo im Boden ist.»
Reto Colombo, Bereichsleiter Tiefbau im Bauamt Weinfelden
Die TBW nützen den Fernwärmeausbau auch, um gleichzeitig Sanierungen diverser Werkleitungen vorzunehmen. Zudem versucht man Synergien mit der Stadt bei Sanierungen im Strassenbau sowie dem Abwasserverband zu nutzen. Die Hauptetappen des Fernwärmeausbaus sollten bis ins Jahr 2031 abgeschlossen sein.
Bagger durchtrennt Glasfaserkabel
Wie fragil das System mit den vielen unterschiedlichen Werkleitungen im Boden sein kann, zeigte sich nur ein Tag nach der Baustellenbegehung, am Abend des 16. April. Weil Bauarbeiter mit einem Bagger ein Glasfaserkabel in der Bankstrasse durchtrennten, fiel für viele Haushalte und Geschäfte in Weinfelden und weiteren Gemeinden das TV-, Internet- und Telefonsymstem zusammen. Dank eines nächtlichen Einsatzes mehrere Fachspezialisten konnten die TBW das Problem bis kurz nach Mitternacht wieder beheben.
Techniker flicken das defekte Glasfaserkabel in der Nacht auf den 17. April.


