Zwei Fragen beschäftigten die Bürgerinnen und Bürger vor der Versammlung vom 20. Mai in ihrem Traubensaal am meisten: Wie geht es dem Präsidenten nach seiner schweren Herzoperation und wer übernimmt die Pacht des Gasthaus zum Trauben? Die erste Frage ist schnell beantwortet. Gewohnt zielstrebig und schlagfertig führt Stefan Haffter durch die Versammlung. «Mir geht es wieder gut. Die Operation ist gut verlaufen, ich bin wieder da und seit April wieder voll am arbeiten», sagt er auf die Gesundheitsfrage am Rande der Versammlung.
Über 20 Millionen Steuereinnahmen
So viel Steuergeld eingenommen wie im letzten Jahr hat Weinfelden noch nie. Mit 20,55 Millionen wurde erstmals die 20-Millionen-Grenze geknackt. Der mit Abstand grösste Teil davon, kommt von den privaten Steuerzahlern. «Wir sind froh, haben wir aber auch gute Steuerzahler unter den Firmen in Weinfelden», sagt Finanzchef Erwin Wagner. Firmen und Geschäfte machen in Weinfelden doch rund ein Fünftel der Steuerinnahmen aus, ein hoher Wert im kantonalen Schnitt. Erwin Wagner freut sich über den positiven Abschluss zum Start in sein letztes Arbeitsjahr. «Das es positiv wird, hat sich abgezeichnet, aber dass es grad so gut wird, hat auch mich überrascht.»
Der Koch und die Fotografin
Die zweite Frage beantwortete sich erst zum Schluss der Versammlung, dem Höhepunkt, wie Stefan Haffter sagt. Der Verwaltungsrat habe sich den Entscheid nicht leicht gemacht und professionelle Berater zugezogen. «Wir freuen uns sehr, Ihnen mit Laura Pfaehler und Attila Incze zwei Persönlichkeiten vorzustellen, welche uns in den Bewerbungsgesprächen in jeder Hinsicht überzeugt haben.» So bringe das Pächterpaar, das auch privat seit über zehn Jahren liiert ist, nicht nur die nötige fachliche Qualifkationen und gastronomische Erfahrung mit, sondern auch sehr viel Leidenschaft und Innovationsgeist. «Wir haben bei jedem Kontakt gespürt, dass sie sich in diese Liegenschaft verliebt haben. Wir glauben, dass beide für eine moderne, gastfreudliche und traditionsbewusste Gastronomie einstehen.»
«Wir freuen uns ausserordentlich, dass wir heute hier sein dürfen. Für uns beide ist es ein ganz besonderer Moment. Ein Traum, der Schritt für Schritt Form annimmt und Realität wird», sagt Hotellier Attila Incze. Der Basler mit ungarischen Wurzeln hat international Erfahrung in der Hotellerie gesammelt und war auch schon im Thurgau als junger Gastgeber in der «Drachenburg» und dem «Waaghaus» in Gottlieben tätig.
«Wir haben bei jedem Kontakt gespürt, dass sie sich in diese Liegenschaft verliebt haben. Wir glauben, dass beide für eine moderne, gastfreudliche und traditionsbewusste Gastronomie einstehen.»
Attila Incze
Tradition und Moderne vereint
Laura Pfaehler ist Fotografin, kommt also nicht aus der Gastronomie. Trotzdem freut sie sich darauf, nun Gastgeberin im «Trauben» zu werden. «Für mich ist Gastfreundschaft etwas, das mir sehr am Herzen liegt. Ich arbeite gerne mit Menschen zusammen und liebe es, einen Ort zu gestalten und dort Gäste willkommen zu heissen.» Es komme sowohl als Gastgeberin wie auch als Fotografin auf das Gleiche an für gute Resultate: «Aufmerksam sein, auf die Leute eingehen und eine Atmosphäre schaffen, wo man sich wohl fühlt.» Von der Ausrichtung her will das Pächter-Paar auf Bewährtem aufbauen, aber auch einen modernen Touch hineinbringen – beides respektvoll verbinden. «Das Haus gehört Weinfelden. Wir dürfen es nun eine Zeit lang führen, pflegen und mit Leben füllen. Für dieses Vertrauen sind wir Ihnen dankbar», sagt Attila Incze.
Die weiteren Geschäfte passieren an diesem Abend unter den Lampen und Glaskugeln im «Trauben»-Saal ohne grosse Diskussionen. Fragen beantwortet der Verwaltungsrat zufrieden-stellend und finanziell steht die Bürgergemeinde sehr solide da. Sie kann dank einem Waldverkauf an den Kanton für knapp eine halbe Million Franken eine Extraportion der Traubensanierungs-Kosten tilgen.


